Österreichs Vierspänner haben die Weltmeisterschaften in Aachen mit einem starken neunten Platz in der Mannschaftswertung beendet.
Für das rein aus Amateuren bestehende rot-weiß-rote Team mit drei WM-Debütanten ist es das beste WM-Ergebnis seit 1996.
Daniel Schneiders krönt sein Championat mit Platz fünf im Kegelfahren und einer weiteren Weltklasseleistung.
Konnte man mit seinem tollen fünften Platz im gestrigen Marathon noch spekulieren, so war die Leistung von Daniel Schneiders im abschließenden Kegelfahren schlichtweg sensationell. Mit einer erneuten Platzierung als Fünfter verbesserte er sich in der Gesamtwertung von anfangs Platz 40 noch auf Rang 15 – trotz des Ausfalls eines Pferdes vor der WM.
Und es hätte sogar noch weiter nach vorne gehen können, denn Schneiders war drauf und dran, eine fehlerfreie Fahrt abzuliefern. „Der Kurs war sehr schwierig, die Zeit extrem knapp bemessen. Ich habe mich zum Schluss zu sehr vom Publikum verleiten lassen, das uns auf dem Weg zum letzten Kegeltor lautstark angefeuert hat. Ich dachte, dass vielleicht die Zeit so knapp ist, und bin einfach angaloppiert. Dabei habe ich die rechten Kegel gestreift und der Fehler ist passiert. Trotz allem ist das ein toller Abschluss für mich und mehr, als nach dem Ausfall meines Vorderpferdes zu erwarten war.“
Bösch: Ein Mann für die Zukunft
Bei Alexander Bösch kam die Schrecksekunde gleich zu Beginn der Prüfung, als er einen Blumentopf umfuhr: „In diesem Moment dachte ich nur: Ruhig bleiben, Nerven bewahren und draufdrücken. Ich habe
mich vor allem über mich selbst geärgert, meine Pferde waren heute so toll drauf – ich wollte die Prüfung einfach noch gut heimfahren. Das ist mir geglückt. Ohne mein Missgeschick hätten wir es sogar in der erlaubten Zeit geschafft!“
Ohne Zeitfehler ins Ziel zu kommen, gelang lediglich dem mehrfachen Weltmeister Bram Chardon aus den Niederlanden. Entsprechend hoch ist Böschs Leistung zu bewerten, die ihm Platz 34 im Gesamtklassement einbrachte. Ein vielversprechendes Ergebnis für den Vorarlberger, der in seiner noch jungen Karriere schon Staatsmeister bei den Ein-, Zwei- und Vierspännern war und heuer seine erste Saison im Vierspänner bestreitet.
Teamkollege Schneiders ist jedenfalls überzeugt: „Mit Alex Bösch ist auf jeden Fall zu rechnen in den nächsten Jahren.“
Gillinger: „Mehr geht im Fahrsport nicht!“
Auch Teamkollege Erwin Gillinger befand sich sehr lange auf dem Weg zu einem Traumresultat, bis ihm knapp vor Schluss ein teurer Fehler unterlief: „Ich bin in Hindernis 18 sehr flott reingefahren, das linke
Vorderpferd war schon sehr schwer und ich blickte schon auf die 19. Plötzlich standen wir neben C, das war richtig ärgerlich! Meine Pferde waren heute richtig gut und bis 18 C konnte ich top zufrieden sein.“Gillingers Pferde präsentierten sich in allen drei Prüfungen extrem konditionsstark. „Die hätten gestern nach dem Marathon noch weiterlaufen können. Insgesamt kann ich nur sagen, dass es eine gewaltige Veranstaltung war. Ich glaube, mehr geht im Fahrsport nicht!“
Binder: „Besonders stolz auf die Pferde“
Einzelfahrer Wolfgang Binder beschloss seine erste Vierspänner-WM mit einem mehr als ordentlichen Kegelfahren. „Das war ein wirklich diffiziler Kurs, dazu kommen die vielen Zuschauer – das war für meine Pferde schon sehr ungewohnt. Aber sie haben das perfekt gemacht, ich bin heute besonders stolz auf sie!“
Der 71-jährige Unternehmer macht sich sofort nach dem Bewerb auf den langen Weg nach Graz, bereits am Montag steht ihm der nächste Geschäftstermin ins Haus. Seinen 40-Tonner steuert er selbst. „Mein großes Ziel war, einmal in Aachen an den Start gehen zu dürfen. Dass es sogar die WM war, das hatte ich nicht zu hoffen gewagt.“
Bestes Mannschaftsergebnis seit 1996
In der Mannschaftswertung gelang den Österreichern mit Platz 9 das beste Ergebnis seit den Weltmeisterschaften 1996 in Waregem (BEL). Bemerkenswert: Alle vier heimischen Fahrer üben den Sport als Amateure aus, drei waren das erste Mal bei einer Vierspänner-Weltmeisterschaft am Start.
„Wir sind sehr stolz auf die Leistungen unserer Fahrer. In den Einzeldisziplinen sind wir vorne mit dabei, das lässt uns für die Zukunft hoffen. Routinier Daniel Schneiders ist ein hervorragender Teamplayer und mit Alexander Bösch haben wir für die Zukunft einen großen Hoffnungsträger, der in der Weltspitze mithalten kann“, zieht OEPS-Fahrreferent Karl Wutte zufrieden Bilanz.
In der Teamwertung holten die Fahrer aus den Niederlanden bereits zum 13. Mal den Weltmeistertitel, Silber und Bronze gingen an Australien und Deutschland. Titelverteidiger Boyd Exell aus Australien sicherte sich seinen achten Einzeltitel in Folge, der Belgier Dries Degrieck holte Silber, Chester Weber aus den USA die Bronzemedaille.
Gugganig: „Unterm Strich überwiegt das Positive“
Herbert Gugganig, Präsident des Österreichischen Pferdesportverbandes, zieht nach knapp zwei Wochen Weltmeisterschaften in Aachen eine positive Bilanz. Besonders die Bronzemedaille der Voltigierer freut den neuen OEPS-Präsidenten. „Unsere Sportlerinnen und Sportler haben sich insgesamt sehr gut geschlagen. Darauf kann man wirklich stolz sein.“
Dass man im Springen hinter den Erwartungen blieb, sei ungewöhnlichen Fehlern zuzuschreiben. „Das war insgesamt sehr unglücklich.“
Besonders positiv sieht Gugganig die Leistungen der jungen österreichischen Athletinnen und Athleten, die in Aachen auf sich aufmerksam machen konnten. „Solche Auftritte sind eine hervorragende Werbung für den österreichischen Reitsport und zeigen, dass wir talentierte junge Reiterinnen haben, die international ihren Weg gehen können.“
Sein Gesamtfazit: „Österreich hat hier gezeigt, dass wir im internationalen und insbesondere im europäischen Spitzenfeld durchaus mithalten können.“ Dass Österreich bei einer Weltmeisterschaft mit
einer Vielzahl an Nationen zu den wenigen Ländern mit Medaillengewinn zählt, sei „umso bemerkenswerter“.
DRESSUR - ÖSTERREICHS VIERSPÄNNER IN DEN TOP TEN

Österreichs Vierspänner-Team liegt nach der Dressur bei den Weltmeisterschaften in Aachen auf
Rang zehn. Für die Vierspänner geht es am Samstag im
Marathon weiter.
Schneiders mit Ersatz-Schimmel
Alexander Bösch hatte als erster Fahrer des rot-weiß-roten Vierspännerteams am Donnerstag mit einer hervorragenden Dressur gut vorgelegt. Heute folgten seine Kollegen.
Daniel Schneiders, im vergangenen Jahr EM-Fünfter und der große Routinier im Team, zeigte sich mit seiner Dressur zufrieden. „Eines meiner Vorderpferde ist vor der WM ausgefallen. An seiner Stelle haben wir jetzt einen kleinen Schimmel am Start, der sonst eigentlich nur Shows läuft. Das ist hier erst sein zweites Turnier überhaupt. Wenn mir vor anderthalb Jahren jemand gesagt hätte, du fährst mit dem Schimmel in die WM-Dressur in Aachen rein, hätte ich gesagt: im ganzen Leben nicht. Aber er hat es sehr gut gemeistert, auch wenn Stillstehen in dieser Atmosphäre heute nicht zu seinen Stärken gezählt hat.“
Apropos Stärke: Die liegt für Daniel Schneiders ganz klar im Marathon, der am Samstag als nächste
Teilprüfung auf dem Programm steht. „Ich denke, da können wir noch ein bisschen was rausholen“, geht der 39. nach der Dressur (62,96 Minuspunkte) optimistisch in die nächste Aufgabe.
Bislang war Schneiders bei Weltmeisterschaften ausschließlich als Einzelfahrer für Österreich am Start, das Antreten als Teil einer Mannschaft ist für ihn eine neue Erfahrung – eine positive: „Hier als Mannschaft am Start zu sein, ist eine super Sache. Wir sind eine gute Truppe, jeder hilft dem anderen. Das ist ein guter Spirit.“
Binder erfüllt sich einen WM-Traum
Team-Senior und Einzelfahrer Wolfgang Binder kämpfte nach seiner Dressur mit den Emotionen. „Ich bin seit 30 Jahren im Fahrsport unterwegs und hätte mir damals bei meinem 65. Geburtstag nicht gedacht, dass ich tatsächlich einmal vierspännig bei einer Weltmeisterschaft starten würde. Der Weg hierher war mit unglaublich viel Arbeit verbunden und wäre ohne die Unterstützung meiner Familie und meines Teams nicht möglich gewesen. Umso schöner ist es, jetzt hier in Aachen zu sein und diesen Traum erleben zu dürfen.“
In den Marathon startet Binder als 42. mit 63,96 Minuspunkten auf dem Konto. „Die Pferde sind für den morgigen Marathon perfekt vorbereitet – jetzt gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen und gut ins Ziel zu kommen.“
Gillinger erwartet echten Kraftakt
Diese Aufgabe wird allerdings schwer genug, wie Teamfahrer Erwin Gillinger weiß. Mit 61,70 Minuspunkten und Rang 33 war er mit seiner Dressur heute nicht ganz zufrieden. „Die Kulisse war sehr beeindruckend, für meine Vorderpferde vielleicht sogar zu beeindruckend. Aber so ist halt Aachen und so ist halt Weltmeisterschaft.“
Das Gelände bezeichnet der 58-Jährige, der wie seine Teamkollegen Bösch und Binder in Aachen seine erste WM im Vierspänner bestreitet, als sehr herausfordernd. „Der Marathon ist schwierig, die Strecke sehr lang mit viel bergauf und bergab und der Boden schon jetzt sehr schwer. Mit noch mehr Regen und einer späten Startnummer kann das schon ein echter Kraftakt werden morgen.“
In der Teamwertung liegt Österreich nach dem ersten von insgesamt drei Teilbewerben auf Rang 10.
OEPS Medieninformation
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