Ein Gastbeitrag aus dem Belgischen Pferdesportmagazin HIPPO REVUE 12/22 - eine Zusammenfassung eines Artikels von Mark Wentein:

Malaise in der Fahrerwelt?

Kurz vor der FEI-Generalversammlung in Südafrika (Ende 2022), haben etwa 35 Vertreter aus der internationale Fahrwelt (Top-Fahrer, Richter, Parcoursbauer, Stewards, Organisatoren, Sponsoren, …) ein Protestschreiben, an das Büro der FEI Generalsekretärin, Mrs. Sabrina Ibanez, übermittelt.

Autor Mark WenteinAuslöser und Botschafter dieses Schreibens, war der vielfache Vierspänner Champion Boyd Exell.

In diesem Schreiben wurden klar zahlreiche heiße Themen angesprochen, die im Austausch, der im Fahrsport Aktiven und dem FEI Fahrsport Kommitee, in den letzten Jahren nicht gut gelaufen sind, und auch nicht zu, für Alle befriedigenden Ergebnissen, gebracht werden konnten. 

Nach diesem Brief, wurden zahlreiche geplante Änderungen im FEI Fahrsport Reglement, im Rahmen der FEI-Hauptversammlung im November 2022 in Kapstadt, Südafrika, stattfand,  zurückgestellt, und es wurden weniger Neuerungen in den FEI-Regeln für den Fahrsport 2023 vorgenommen als geplant war.

Hinsichtlich einer geplanten - und im Vorfeld in der Fahrsportszene intensiv diskutierten Abänderung, der Gewichtsvorgaben für die Kutschen im internationalen Fahrsport, machte die FEI, aus Sicherheitsbedenken, selbst einen Schritt zurück. Eine diesbezügliche Entscheidung, die im Jahr 2022 getroffen wurde, ist im Reglement 2023 wieder auf den Status 2021 gesetzt worden. Die "alten" Gewichtsvorgaben für die Kutschen bleiben also bestehen.

FEI Fahrsport Komitee ignorierte Anregungen
Das Schreiben der Vertreter der Fahrsportszene, stellt unverblümt fest, dass der internationale Fahrsportausschuss, zahlreiche Fragen, Anregungen und Kommentare aus dem Fahrerlager ignorierte. Neue Dressurprüfungen, Turnierformate etc. wurden veröffentlicht, auch wenn, zum Beispiel die Mehrheit der Dressurrichter des höchsten Levels, die neu geplanten Dressuraufgaben nicht positiv sieht.
So war zum Beispiel vorgesehen, dass auch die Zweispänner in ihrer Dressurprüfung Lektionen im Galopp fahren sollten.

Dass es deutlich weniger Athleten auf dem höchsten Niveau gibt, steht auch außer Frage.
Auf die WM Pratoni (ITA) gab es nur noch 35 Vierspänner Teams am Start. Im Vergleich zu den FEI World Equestrian Games, den WEG im Französischen in Caen vor gut 8 Jahren, ist das ein Rückgang von fast 25 % der Teilnehmer!

Auch die Zuschauer bei den Weltmeisterschaft der Vierspänner im letzten Jahr in Pratoni, war unter dem üblichen Mass und den Erwartungen. Obwohl diese WM in einer technischen und sportlichen guten Infrastruktur ausgetragen wurden - waren die Zuschauer an allen 4 Tagen überschaubar.

Ein weiteres bitteres Beispiel...

Der Veranstalter aus Drebkau (GER), der ausgezeichnete Weltmeisterschaft der Zweispänner 2019 ausgerichtet hat, hat im Jahr 2022 von der Austragung eines CAI Tunrieres abgsehen, und wird im Juni 2023, auf der Topfahrsportanlage in Deutschland, "nur" ein national ausgeschriebenes Fahrturnier veranstalten.

Online Test für FEI Funktionären 

Erfahrene Fahrsport Funktionäre der höchsten Levels (Richter, Parcoursbauer, …) haben aufgrund der neu verlangten obligatorischen Online-Fortbildung das Handtuch geworfen.

Bei dieser Online Beurteilung geht es mehr, um ein Online Verwaltungsverfahren als um über die inhaltliche Neuentwicklung des Sports. Viele sehen dies als Bevormundung, fern der Praxis. Der Computer bestimmt den Stand der English Kenntnisse, und das hat oft Vorrang, vor den jahrelange gesammelten Fachkenntnissen der Sportfunktionäre! 

Und dann sieht man manche Kollegen, die kaum, oder gar nicht in der Praxis gut Englisch sprechen, die doch das höchste FEI Niveau erreicht haben aud ausführen?

"Die Entwicklung des Sports geht falsche Wege."

Wolfgang Asendorf (GER), der Parcoursbauer, der viele Jahre die wichtigsten Entscheidungen im Fahrsport baute, und auch für den Parcoursbau des CAIO Aachen verantwortlich war, hat beschlossen mit seiner Tätigkeit als FEI Course Designer aufzuhören.

Sein deutscher Richterkollege Rainer Wannenwetsch, fragte sich in einem offenen Brief in einem Fahsport Fachmagazin: „Quo Vadis Fahrsport – Fahrsport wohin gehst du?“

Auch der so erfahrenen Level 4 FEI Richter, hat beschlossen nicht mehr als Richter tätig sein zu wollen!

Fahrsport Dressur

Einspänner... Fahrsportkenner bemerken zu Recht, dass in der FEI-Einspänner Dressur, die Lektion „Schulter Herein“ im Regelwerk nicht korrekt definiert wurde. Jeder vernünftige, und gut ausgebildete Dressurkenner weiss, dass diese Lektion nur aus der Versammlung heraus ausgeführt werden kann. (so wie in der gerittenen Dressur). Manifest gegen diese Grundregeln der Dressurausbildung, schreibt der FEI Fahrausschuss, in einem Dressurtest vor, diese Lektion „Schulter herein“, aus dem Arbeitstrab einzuleiten. Warum - wer kann mir das erklären?

100m x 40m Dressurviereck
Die Diskussionen über die Größe des Dressurvierecks im internationalen Fahrsport ist lang und intensiv!
80m x 40m sollte der neue Standard werden für alle Anspannungen.

Das soll für viele Veranstalter eine mögliche Erleichterung im Organisationsablauf sein. Für die Ponyprüfungen ist dies sicher nachvollziebar - und eine Verbesserung.
Nach dem bereits erwähnten Protestbrief hat die FEI, wurde in diesem Fall so entschieden, dass für die WM der Vierspänner Pferde (H4) das Viereck die Dimension 100m x 40m haben muss - aber bei allen anderen Turniere, sogar bei Qualifikationen zu WM und World Cup, auch die Austragung der Dressurprüfung auf 80m x 40m möglich ist. Also - die gleiche
Linienführung der Figuren, wie Bögen und Zirkeln, aber auf das jeweilige Ausmass des Vierecks unterschiedlich dimensioniert. 

Warum gibt es keine einheitliche Entscheidung? Für mich ist das keine logische und konsequente Vorgabe.

Genau wie viele Vorschriften und Regeln, in den letzten Jahren regelmäßig verändert, angepasst, zurückgerufen und geändert wurden... Wenig Entschlossenheit und konsequente
Entscheidungen, die von der Mehrheit aller Beteiligten im Fahrsport, auch unterstützt und getragen werden.


Neues Berechnungssystem der Ergebnisse
Es stimmt, dass im Fahrsport - dieser vielseitigen Pferdesportsparte mit Dressur, Marathon und Hindernisfahren - das Reglement und die Punktevergabe, für das "Nicht - Fachpublikum" nicht so einfach zu verstehen ist.

Vielleicht ist dies mit ein Grund, dass es schwer ist, neues Publikum zum Fahrsport zu bringen, und es immer weniger Zuschauer bei den Fahrturniere in der grünen Saison gibt?

Die FEI arbeitet seit Jahren an einem neuen Scoringsystem. Der Ausschussvorsitzender Károly Fugli (HUN), der neben der Verantwortung für den Fahrsport, höchst professionell auch auf
höchstem Springniveau als FEI Funktionär tätig ist, konnte dieses Vorhaben, sicherlich eines seiner Steckenpferde - den Fahrsport einfacher zu gestalten - leider nicht realisieren. Nicht ein einziger CAI Turnierveranstalter war bereit, das von der FEI lancierte neue Berechungssystem, in einem Probelauf, auf seinem CAI Turnier im Jahr 2022, auszuprobieren.

Der belgische Fahrsport- Softwarespezialisten Philippe Liénaert hat bereits viel Mühe und Investitionen in dieser Causa getätigt.

Für Károly Fugli begann zum Jahreswechsel, sein letztes Jahr als FEI Fahrsport-Ausschussvorsitzender, und er wird am Ende des Jahres 2023 sein Amt, nach 12 Jahren (das Maximum nach FEI-Regeln) an einen Nachfolger übergeben. Ob es im Jahr 2023 viel Enthusiasmus und Entschlossenheit des FEI Fahrsportausschusses geben wird, ist kaum noch zu erwarten.


Aber nochmal zu dem Schreiben der Vertreter der Fahrsportszene an die FEI Führung

Der Brief stellt klar, und die Unterzeichnenden fassten zusammen: „Wir senden diesen Brief, weil zahlreiche Bemühungen und Treffen, mit dem Ausschussvorsitzender und FEI Abteilungsleiter für das Fahren, leider wenig Folgereaktionen und Änderungen auslösten“.

Die erzürnten Verfasser dieses Schreibens, wurden von der FEI Hauptversammlung gehört.

Zahlreiche Änderungen, die schon in der Pipeline waren, wurden dann doch zurück an den Start geschickt und zurückgestellt.


Ein Blick nach Belgien - keine nationalen Meisterschaften im Fahren 2023?

Inzwischen sind die Kalender des Belgischen Pferdesportverbandes für die nationalen Turnier 2023 erstellt.  2023 konnte, seit vielen Jahren erstmals, kein
Veranstalter mehr gefunden werden, die belgischen Meisterschaften im Fahren auszutragen. Im letzten Jahr wurde intensive Lobbyarbeit, und finanzielle Unterstützungen von
den Verbänden angeboten - leider ohne Erfolg... für 2023 konnte kein Organisator gefunden werden…
Ein deutliches Zeichen, das es dem Fahrsport nicht so gut geht?

Mark Wentein | HIPPO REVUE 12/22

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Original Bericht "MALAISE IN DE MENWERELD?" in der HIPPO REVUE Dezember 2022

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