Ein Gespräch mit dem Präsidenten des Österreichischen Pferdesport Verbandes Herbert Gugganig - über Aufbruch, Verantwortung und die Zukunft des österreichischen Pferdesports
Mit der Wahl von Herbert Gugganig beginnt im Österreichischen Pferdesportverband eine neue Ära. Nach 23 Jahren unter der Führung von Elisabeth Max-Theurer steht der OEPS vor neuen Herausforderungen – und gleichzeitig vor der Chance, wichtige Impulse für die Zukunft des Pferdesports zu setzen.
Für Hippoevent war es besonders spannend, mit dem neuen Präsidenten über seine Visionen und Ziele zu sprechen: über die Bedeutung von Basis- und Spitzensport, die Förderung des Nachwuchses, die Zukunft des Fahrsports, die Herausforderungen für Athletinnen, Athleten und Veranstalter – aber auch über Inklusion und die besondere Bedeutung des Para-Pferdesports.
Ein großes Dankeschön an Herbert Gugganig für die Zeit, die offenen Worte und den persönlichen Einblick in seine Vorstellungen für den österreichischen Pferdesport. Besonders gefreut hat uns, dass dabei auch der Fahrsport und seine internationale Zukunft einen wichtigen Platz einnehmen.
Der Pferdesport steht heute vor großen Herausforderungen – steigende Kosten, Nachwuchsgewinnung, gesellschaftlicher Wandel, Pferdewohl und die Zukunft des Ehrenamtes. Welche Vision haben Sie für den österreichischen Pferdesport und wie möchten Sie den OEPS erfolgreich in die Zukunft führen?
Herbert Gugganig: "Indem wir alle Akteure zusammenführen, die in der Pferdewirtschaft tätig sind. Ich sage bewusst Pferdewirtschaft, weil das für mich der umfassende Begriff für alle ist, die mit dem Pferd arbeiten.
Dabei denke ich an die Landwirtschaftskammer und die Wirtschaftskammer, aber natürlich auch an den Tourismus und alle Organisationen, die mit dem Pferd arbeiten, insbesondere an die Zucht. Wir müssen uns stärker miteinander verbinden und nach außen geeint auftreten, auch wenn wir im Innenverhältnis durchaus unterschiedliche Ziele verfolgen.
Letztendlich geht es aber immer ums Pferd und damit um dieselbe Materie. Ich wünsche mir deshalb einen starken gemeinsamen Außenauftritt und, wo es möglich ist, auch eine gemeinsame Stimme gegenüber der Politik und der Gesellschaft.
Eine entscheidende Rolle für die Zukunft spielt natürlich der Nachwuchs. Hier kommt den Reitschulen eine zentrale Bedeutung zu. Unsere Aufgabe als Verband ist es, sie bestmöglich zu unterstützen. Einen ersten Schritt haben wir mit der Gründung des Reitschulreferats gesetzt. Gemeinsam mit den Betrieben sollen dort bestehende Problemfelder evaluiert und Lösungsansätze entwickelt werden.
Wir wollen auch das bestehende Talente-Team-Konzept weiterentwickeln und künftig – wo möglich und gewünscht – auf Landesebene ausdehnen."
Der OEPS vereint olympische Disziplinen ebenso wie nichtolympische Sparten – darunter auch der Fahrsport. Wo sehen Sie aktuell Unterschiede in der Verbandsarbeit, und wie möchten Sie sicherstellen, dass sich alle Disziplinen gleichermaßen vertreten und wertgeschätzt fühlen?
Herbert Gugganig: "Ich sehe in der täglichen Arbeit keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen olympischen und nichtolympischen Disziplinen. Wir müssen überall bestmögliche Leistungen ermöglichen. Der Sportler – ob im Gespannfahren, im Westernreiten oder in einer anderen Disziplin – gibt sein Bestes. Nur weil eine Disziplin nicht olympisch ist, strengt sich der Einzelne ja nicht weniger an. In den olympischen Disziplinen aber auch jenen die über die FEI bis zu Weltmeisterschaften ausgetragen werden, werden wir alles daransetzen, dass unsere Athletinnen und Athleten zu den Spielen und Championaten fahren können."
Österreich war im internationalen Fahrsports eine lange erfolgreiche Tradition – und ihn auch maßgeblich mitgeprägt. Österreichische Fahrerinnen und Fahrer haben Welt- und Europameistertitel gewonnen und standen mit Nationalmannschaften bei zahlreichen Championaten auf dem Podium. Kann es gelingen, an diese große Tradition anzuknüpfen und den österreichischen Fahrsport wieder zu alter internationaler Stärke zu führen? Welche Rolle kann der OEPS dabei übernehmen?
Herbert Gugganig: "Wir sind als Verband dafür da, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Das wird nur in einem dualen System funktionieren: Der Athlet gibt sein Bestes und der Verband schafft die entsprechenden Voraussetzungen. Das gilt für den Fahrsport genauso wie für alle anderen Disziplinen. Gleichzeitig braucht es natürlich die Eigeninitiative der Athletinnen und Athleten, die ohnehin in einem hohen Maß vorhanden ist.
Wir werden unsere Hausaufgaben bei den Rahmenbedingungen machen und unterstützen so gut wir können. Dann wird sich zeigen, ob es uns gelingen wird an die Erfolge aus früherer Zeit anknüpfen zu können."
Bei der Weltmeisterschaft in Aachen war Österreich nach vielen Jahren wieder mit einer kompletten Vierspänner-Mannschaft vertreten. Welche Bedeutung hatte dieser Auftritt für Sie?
Herbert Gugganig: "Ich durfte in Aachen dabei sein und war vom Fahrsport und von den Leistungen unserer Fahrer wirklich begeistert. Unser Team hat das beste WM-Ergebnis seit 30 Jahren erzielt. Das ist eine bemerkenswerte Leistung – umso mehr, wenn man bedenkt, dass mit Ausnahme unseres Routiniers Daniel Schneiders ausschließlich WM-Debütanten am Start waren.
Und wenn man sich vor Augen führt, dass alle vier diesen auf allen Ebenen sehr herausfordernden Sport als Amateure betreiben, wird deutlich, wie viel Herzblut, Leidenschaft und persönliches Engagement dahinterstecken. Davor kann man nur den Hut ziehen."
Wie haben Sie die Österreichische Vierspänner Mannschaft in Aachen insgesamt wahrgenommen?
Herbert Gugganig: " Es haben alle sehr gute Bilder abgeliefert und sich ganz stark präsentiert. Besonders beeindruckt hat mich die Harmonie zwischen den Pferden in der Dressur. Noch gewaltiger kommt das im Marathon zum Ausdruck. Natürlich ist ein solches Championat immer auch eine Frage der Tagesverfassung. Am Tag X muss man bestmöglich abliefern. Wir haben in den Einzeldisziplinen gezeigt, dass wir mit der Weltspitze mithalten können. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg."

Daniel Schneiders, AUT bei der Vierspänner WM 2026 in Aachen
Welche Bedeutung haben Athleten wie Daniel Schneiders in Ihrer Wahrnehmung als Teamleader – insbesondere unter den besonderen Herausforderungen vor und während der Weltmeisterschaft? Und welchen Einfluss haben seine internationalen Erfolge aus Ihrer Sicht als Motivation und Impulsgeber für den gesamten österreichischen Fahrsport?
Herbert Gugganig: "Ich glaube, dass es sehr wichtig war, dass Daniel seine Erfahrung eingebracht und das gesamte Team mit seiner Expertise unterstützt hat. Ich begrüße es sehr, so einen erfahrenen und erfolgreichen Athleten im österreichischen Fahrteam zu haben. Daniel ist eine große Bereicherung für den österreichischen Fahrsport und wir sollten darüber nachdenken, ihn mit seiner Expertise für die Unterstützung des Fahrsports in Österreich vermehrt gewinnen zu können.
Gleichzeitig haben wir mit Alexander Bösch einen jungen, motivierten Neueinsteiger bei den Vierspännern, der in seiner ersten Saison gezeigt hat, dass er das Zeug dazu hat, vorne mitzufahren. Von ihm dürfen wir in Zukunft sicherlich noch einiges erwarten.
Daniel und Alexander sind Zugpferde für die Mannschaft und können mit ihrer Erfahrung und ihrem Ehrgeiz auch die Athleten in den anderen Anspannungen mitreißen."
Wie wichtig sind Championatserfahrungen für die sportliche Weiterentwicklung?
Herbert Gugganig: "Ich halte das für ganz entscheidend. Gerade bei Championaten können unsere Sportlerinnen und Sportler Erfahrungen auf höchstem Niveau sammeln.
Dabei geht es nicht nur um den Wettkampf selbst. Ein Championat ist auch emotional und mental eine besondere Herausforderung. Die Atmosphäre, die Zuschauer, der Druck – das ist nicht zu toppen. Das muss man erlebt haben, um lernen zu können, damit umzugehen. Dafür braucht es Erfahrung. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir Championate beschicken und auch den Mut zum Scheitern haben müssen. Nur so kann die Saat entsprechend aufgehen.
Zwischen dem nationalen Basissport und dem internationalen Spitzensport gibt es eine große Kluft. Um international mithalten zu können, ist ein großer zeitlicher und auch finanzieller Aufwand erforderlich. Wir können keinem Athleten den Sport finanzieren. Wir können aber Rahmenbedingungen schaffen, um die Athleten bestmöglich zu unterstützen."
Gibt es im Fahrsport Bereiche, bei denen Sie in den kommenden Jahren besonderen Handlungsbedarf sehen?
Herbert Gugganig: "Zwischen dem nationalen Basissport und dem internationalen Spitzensport gibt es eine große Kluft. Um international mithalten zu können, ist ein großer zeitlicher und auch finanzieller Aufwand erforderlich. Wir können keinem Athleten den Sport finanzieren. Wir können aber Rahmenbedingungen schaffen, um die Athleten bestmöglich zu unterstützen.
Das Fahrreferat mit Karl Wutte hat in den letzten Jahren begonnen, einige Weichen dafür zu stellen. Mit Bundestrainer Hannes Weitlaner für die Ein-, Zwei- und Ponyanspannungen und mit Anika Geiger für die Jugend ist es uns gelungen, wieder ein starkes Teamgefüge in den einzelnen Anspannungen zu schaffen. Gemeinsame Kadertrainings fördern das Miteinander und sind gerade im Hinblick auf Mannschaften bei Championaten wichtig.
Durch den hohen finanziellen Aufwand für Athleten und Veranstalter merken wir aber auch einen Rückgang bei den Teilnehmerzahlen und bei der Zahl der ausgetragenen Turniere.
Für die Veranstalter wird es zunehmend schwieriger, ein Turnier wirtschaftlich erfolgreich durchzuführen. Speziell auf internationaler Ebene sind die Kosten für die zahlreichen Offiziellen, die seitens der FEI vorgeschrieben werden, enorm hoch. Hier muss sicherlich auch ein Umdenken erfolgen.
Ein besonderes Augenmerk wird in nächster Zukunft auf der Jugend liegen. Mit dem Talente Team und dem seit einem Jahr bestehenden Jugendkader möchten wir unseren Nachwuchs auf die Jugend-Europameisterschaft 2028 vorbereiten, die in Österreich ausgetragen wird.
Dem Stücklerhof in Kärnten wurde der Zuschlag für die Austragung erteilt. Mit diesem Veranstalter haben wir auch einen idealen Austragungsort, der in den vergangenen Jahren viel in den Fahrsport investiert hat."
Der Pferdesport bietet Menschen mit Beeinträchtigung einzigartige Möglichkeiten – sportlich, sozial und persönlich. Welchen Stellenwert hat der Para-Pferdesport für Sie persönlich und für den OEPS? Sehen Sie Potenzial und Interesse, den Para-Fahrsport in Österreich wieder nachhaltig zu etablieren und aktiv zu fördern?
Herbert Gugganig: "Das Thema Inklusion steht ganz oben auf unserer Agenda, und wir wollen den Para-Pferdesport entsprechend unterstützen. Das gilt für den Reitsport ebenso wie für das Fahren. Mit Thomas Haller installieren wir aktuell einen eigenen Inklusionsbeauftragten und schaffen damit auch innerhalb des Verbandes eine klare Zuständigkeit.
Ich war bei der WM in Aachen sehr beeindruckt von den Leistungen, die dort in den Dressur Para-Bewerben erbracht wurden. Aber auch der Umgang der Menschen miteinander hat mich sehr berührt.
Ich bin in meiner Jugend gemeinsam mit Pepo Puch geritten. Was er nach seinem schweren Unfall mithilfe des Parasports und der Pferde geleistet und erreicht hat, um wieder gehen zu können, ist unheimlich beeindruckend und eine große Inspiration.
Wenn dieser Sport Menschen dabei helfen kann, mit ihrem Schicksal besser umzugehen, dann verdient er unsere besondere Unterstützung."
Wenn Sie in einigen Jahren auf Ihre erste Amtsperiode zurückblicken – woran möchten Sie gemessen werden? Wann würden Sie persönlich sagen: "Ja, wir haben den Österreichischen Pferdesport gemeinsam ein gutes Stück weitergebracht.“
Herbert Gugganig: "Wenn wir einen großen Teil unseres Programms umsetzen konnten, unsere Sportlerinnen und Sportler erfolgreich sind und unsere Mitglieder mit der Arbeit des Verbandes zufrieden sind. Dann würde ich sagen: Ja, wir haben den österreichischen Pferdesport gemeinsam ein gutes Stück weitergebracht."
Danke für das interessante Gespräch!
Herzlichen Dank an Herbert Gugganig für die Zeit, die offenen Worte und die persönlichen Einblicke in seine Vorstellungen für die Zukunft des österreichischen Pferdesports.
Besonders gefreut hat uns, dass auch der Fahrsport, seine Herausforderungen und seine Chancen einen so wichtigen Platz in diesem Gespräch gefunden haben. Gerade in einer Zeit des Wandels braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen, zuhören und bereit sind, neue Wege zu gehen – ohne dabei die Wurzeln und die Tradition unseres Sports aus den Augen zu verlieren.
Wir wünschen dem neuen OEPS-Präsidenten für seine Amtszeit viel Erfolg, Energie und vor allem ein gutes Gespür für die vielen Menschen, die den österreichischen Pferdesport jeden Tag mit Leidenschaft, Engagement und Herzblut gestalten.
Denn bei aller Unterschiedlichkeit der Disziplinen verbindet uns eines: die Liebe zum Pferd und die Leidenschaft für unseren Sport!
Vielen Dank Herbert Gugganig für das Gespräch!
Jacqueline Zimmermann | HIPPOEVENT

















