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gbr LINK | Die Interviewserie mit inspirierenden Persönlichkeiten... im Gespräch mit den FEI Weltmeister im Parafahren Jacques Poppen, Niederlande

Im internationalen Para Fahrsport gibt es Persönlichkeiten, die nicht nur durch sportliche Leistungen überzeugen, sondern auch durch ihre Ausstrahlung, Erfahrung und die besondere Verbindung zu ihren Pferden.

Einer dieser Athleten ist der niederländische Fahrsportler - FEI Weltmeister Jacques Poppen. Mit großer Präzision, Ruhe und einem tiefen Verständnis für seine Pferde hat er sich einen festen Platz im internationalen Para Fahrsport erarbeitet.

Besonders beeindruckend ist dabei seine Arbeit mit Friesenpferden – kraftvollen, eleganten und zugleich sensiblen Partnern im Fahrsport. Diese Kombination aus moderner Turnierleistung und traditioneller Pferderasse verleiht seinem Auftreten eine besondere Wiedererkennbarkeit und emotionale Tiefe.

Im Gespräch mit Hippoevent spricht Jacques Poppen über seinen sportlichen Weg,Teamwork, seine Erfahrungen im internationalen Wettbewerb – und darüber, was Para Fahrsport für ihn persönlich bedeutet: weit mehr als Sport, nämlich eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Mensch und Pferd.

Hippoevent: Wie bist Du zum Fahrsport gekommen?

Jacques Poppen: Nach meiner Rückenmarksverletzung im Jahr 1995 hat sich mein Leben komplett verändert.

Vor dem Autounfall hatte ich nichts mit Pferden zu tun, aber ich brachte meine Frau Eva jeden Tag zum Reitstall. An einem wunderschönen Tag irgendwo im Jahr 2002 nahm sie mich mit auf eine Kutschfahrt durch den Wald – mit zwei Pferden vor der Kutsche – und drückte mir die Leinen in die Hand.

Dieser Moment veränderte alles für mich.

Der Fahrsport gab mir meine Freiheit, Unabhängigkeit und einen neuen Lebenssinn zurück, für den es sich zu kämpfen lohnt. Hinter den Pferden fühle ich mich nicht eingeschränkt, sondern allen anderen gleichgestellt. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich im Pferdesport weitermachen wollte, und aus einer schönen Ausfahrt wurde eine große Leidenschaft.

Hippoevent: Was hat Dich ursprünglich an diesem Sport fasziniert?

Jacques Poppen: Was mich von Anfang an berührt hat, war die einzigartige Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd. Im Fahrsport dreht sich alles um Vertrauen, Gefühl und Kommunikation. Mit einer Behinderung zu leben bedeutet, noch genauer auf seine Pferde und auf sich selbst zu hören. Genau das macht diesen Sport für mich so besonders. Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier, die Konzentration, das Adrenalin und die Harmonie inspirieren mich jeden einzelnen Tag aufs Neue. Ich strebe in jedem Bereich dieser Disziplin nach dem höchstmöglichen Niveau.

Hippoevent: Was bedeutet der Fahrsport heute persönlich für Dich?

Jacques Poppen: Fahrsport bedeutet für mich Freiheit, Entspannung und Herausforderung zugleich. Es ist die Welt, in der ich nicht in Einschränkungen denke, sondern in Möglichkeiten. Meine Pferde geben mir Kraft, Vertrauen und Motivation, immer nach vorne zu schauen. Durch meine Rückenmarksverletzung und mein Team habe ich gelernt, wie wertvoll das Leben wirklich ist, und diesen Gedanken trage ich jeden Tag im Sport mit mir.

Hippoevent: Welcher Moment im internationalen Sport ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Jacques Poppen: Für mich sind die schönsten Momente die internationalen Wettkämpfe, bei denen Sportler aus verschiedenen Ländern mit derselben Leidenschaft zusammenkommen. Dort spürt man wirklich, wie stark der Sport Menschen verbindet. Besonders im Parasport sieht man, wie viel Mut, Disziplin und Durchhaltevermögen hinter jedem Teilnehmer steckt. Das berührt mich jedes Mal aufs Neue.

Pferde & Partnerschaft

Hippoevent: Wie würdest Du Deine Pferde – und besonders Deine Friesen – beschreiben?

Jacques Poppen: Meine Pferde sind meine Partner und meine Freunde. Besonders Friesen bedeuten mir sehr viel: Sie sind kraftvoll, sensibel und unglaublich loyal. Ihre Ausstrahlung ist beeindruckend, doch hinter dieser Stärke steckt auch große Sanftheit. Da ich mit einer Rückenmarksverletzung lebe, ist Vertrauen noch wichtiger. Meine Pferde scheinen oft genau zu wissen, wie ich mich fühle, und diese Verbindung lässt sich kaum in Worte fassen. Man muss sie selbst erleben!

Hippoevent: Was macht die Partnerschaft zwischen Fahrer und Pferd erfolgreich?

Jacques Poppen: Eine erfolgreiche Partnerschaft beginnt mit gegenseitigem Vertrauen. Ein Pferd muss sich bei dir sicher fühlen – und genauso auch umgekehrt. Durch meine Behinderung habe ich kleine Signale und Kommunikation noch bewusster wahrgenommen. Man lernt, auf Gefühl miteinander zu arbeiten. Geduld, Respekt und tägliche Aufmerksamkeit, kombiniert mit einem starken Team, machen letztendlich den Unterschied.

Hippoevent: Gab es ein Pferd, das in Deiner Karriere eine besondere Rolle gespielt hat?

Jacques Poppen: Ja, absolut. Manche Pferde verändern nicht nur deine sportliche Karriere, sondern auch dich als Mensch. Nienke war ein Pferd, das mir durch schwierige Zeiten geholfen und mir nach meiner Rückenmarksverletzung wieder Selbstvertrauen gegeben hat.

Mit ihr wurde ich zum ersten Mal Weltmeister, und ihr Charakter, ihr Kampfgeist und ihre Stärke machen sie unvergesslich.

Training & Vorbereitung

Hippoevent: Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Dir aus?

Jacques Poppen: Meine Trainingstage drehen sich nicht nur um Leistung, sondern auch um Ausgeglichenheit und Vertrauen. Ich beginne immer damit, auf meine Pferde zu achten: wie sie sich fühlen, wie sie sich bewegen und was sie an diesem Tag brauchen. Genauso wichtig ist auch, wie ich mich selbst fühle. Ein Pferd ist der Spiegel deiner Seele, und du bekommst zurück, was du gibst. Jede Trainingseinheit wird individuell angepasst, und genau das macht diesen Prozess so schön. Ich kann das Training an einem wunderschönen Morgen endlos genießen.

Hippoevent: Welche Disziplin (Dressur, Marathon oder Kegelfahren) liegt Dir am meisten – und warum?

Jacques Poppen: Das hängt vom Tag und vom Pferd ab. Den Marathon genieße ich am meisten. Dort spürt man die Kraft von Teamwork, Geschwindigkeit und Vertrauen innerhalb des gesamten Teams besonders intensiv. Es gibt mir einen unglaublichen Nervenkitzel, gemeinsam mit meinem Pferd durch ein Hindernis zu fahren und sich vollkommen aufeinander zu verlassen. Gleichzeitig liebe ich auch die Feinheit der Dressur und die Präzision beim Kegelfahren.

Teamwork

Hippoevent: Welche Rolle spielt Dein Team in deinem täglichen Training?

Jacques Poppen: Mein Team bedeutet mir alles. Ohne diese Menschen bin ich nichts. Mit meiner Behinderung könnte ich diesen Spitzensport nicht allein ausüben. Hinter jedem Training stehen meine Frau Eva, unsere Kinder und die Menschen, die mich unterstützen, motivieren und mir helfen, sowohl aus mir selbst als auch aus den Pferden das Beste herauszuholen. Gemeinsam bilden wir eine Einheit, und ohne sie wäre das alles nicht möglich.

Hippoevent: Und wie wichtig ist Dein Team während der Wettkämpfe?

Jacques Poppen: Während der Wettkämpfe wird besonders deutlich, wie wichtig ein starkes Team ist. Jeder hat seine eigene Rolle und Verantwortung. Wir verlassen uns vollkommen aufeinander, besonders in Momenten von Spannung und Druck. Der Sport mag individuell wirken, doch in Wirklichkeit wird Erfolg immer gemeinsam erreicht.

Para Driving heute & in der Zukunft

Hippoevent: Wie hat sich Para Driving in den letzten Jahren entwickelt?

Jacques Poppen: Para Driving hat sich enorm weiterentwickelt. Es gibt zunehmend Professionalität, internationale Aufmerksamkeit und Respekt für diesen Sport. Das ist wichtig, denn es zeigt, dass eine Behinderung nicht das Ende sportlicher Träume bedeuten muss. Das Niveau unseres Sports ist in den letzten Jahren enorm gestiegen – und das ist fantastisch!

Hippoevent: Was wünschst Du Dir für die Zukunft des Para Driving?

Jacques Poppen: Ich hoffe, dass Para Driving weltweit noch mehr Sichtbarkeit bekommt. Viele Menschen verstehen noch nicht vollständig, worum es in diesem Sport geht und wie viel Durchhaltevermögen, Stärke und Leidenschaft dahinterstecken. Ich würde mir wünschen, dass junge Menschen mit Behinderungen inspiriert werden, ebenfalls ihren eigenen Träumen zu folgen.

Hippoevent: Welche Rolle spielen internationale Projekte wie die Hippoevent Para Spotlight Initiative in dieser Entwicklung?

Jacques Poppen: Diese Projekte sind unglaublich wichtig. Sie geben Para-Athleten eine Plattform und zeigen der Welt, was möglich ist. Durch das Teilen von Geschichten inspiriert man andere und schafft mehr Verständnis sowie Sichtbarkeit für diesen Sport.

Botschaft & Inspiration

Hippoevent: Welche Botschaft möchtest Du jungen Para-Fahrern und Neueinsteigern mitgeben?

Jacques Poppen: Lass dich niemals von deiner Behinderung definieren. Eine Rückenmarksverletzung hat mein Leben verändert, aber sie hat mir meine Träume nicht genommen. Glaube weiter an dich selbst – auch an schwierigen Tagen. Mit Leidenschaft, Geduld und Durchhaltevermögen kannst du weiter kommen, als du jemals gedacht hättest.

Hippoevent: Was möchtest Du der internationalen Fahrsport-Community sagen?

Jacques Poppen: Fahrsport bedeutet Verbindung und Freundschaft zwischen Menschen, Pferden und unterschiedlichen Kulturen. Lasst uns gemeinsam weiter an diesem wunderschönen Sport arbeiten, in dem jeder die Möglichkeit hat, seiner Leidenschaft zu folgen. Besonders im Parasport sieht man, wie viel Stärke Menschen besitzen, wenn sie niemals aufgeben!

 

Vielen Dank für dieses inspirierende Interview und Deine Zeit, Jacques.
Deine Worte motivieren nicht nur den Para-Fahrsport, sondern den gesamten Fahrsport weltweit. Sie zeigen eindrucksvoll, was mit Leidenschaft, Vertrauen, Mut und Zusammenhalt möglich ist.

Dieses Gespräch war nicht nur sehr informativ, sondern auch außergewöhnlich persönlich und berührend. Dafür möchten wir Dir von Herzen danken.

Jacques Poppen vertritt den Parasport sowohl bei der FEI als auch innerhalb der International Carriage Drivers Association (ICDA) mit großer Leidenschaft und Engagement. In den kommenden Tagen möchten wir zu einem offenen Austausch von Gedanken, Ideen und Visionen aufrufen, um den Para-Fahrsport gemeinsam positiv weiterzuentwickeln und ihm noch mehr Sichtbarkeit zu geben.

Denn genau solche Geschichten zeigen, dass Sport Grenzen überwinden und Menschen auf der ganzen Welt verbinden kann.

 

Initiative Hippoevent Para Spotlight | Jacqueline Zimmermann

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