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„Natürlich möchte ich meinen Titel verteidigen, aber es wird schwer, denn es muss alles passen.“ Michael Brauchle ist der amtierende Europameister der Vierspänner und sein Saisonziel für 2017 ist klar. Denn vom 21. bis 27. August finden die Europameisterschaften in Göteborg in Schweden statt und er tritt als Titelverteidiger an. Der 27-Jährige aus Lauchheim-Hülen in Baden-Württemberg wird jetzt von der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport unterstützt.

Der Bundestrainer der Vierspänner Karl-Heinz Geiger hat ihn für den Talentpool der Stiftung vorgeschlagen. Jürgen R. Thumann, der selbst erfolgreicher Vierspännerfahrer war und dem Fahrsport seit vielen Jahren verbunden ist, hat daraufhin die Patenschaft für Michael Brauchle übernommen und unterstützt ihn in seinem aufwändigen und kostspieligen Sport. Zuvor war Brauchle vier Jahre lang Sportsoldat, doch die Unterstützung durch die Bundeswehr fällt seit 2016 weg.

Im Unterschied zu den Vierspännerfahrern der anderen Nationen, die nahezu alle „Profis“ sind und mit dem Fahrsport ihr Geld verdienen, gehen die deutschen Vierspännerfahrer fast alle einem Beruf nach. So bleibt nur wenig Zeit für das Training und auch der Start bei internationalen Turnieren ist fast immer ein „Minus-Geschäft“, da die Preisgelder im Fahrsport oft gering sind. „Fünf bis sechs Personen gehören auf einem Turnier immer zu meinem Team, sonst ist das gar nicht machbar“, erklärt Brauchle. Immer dabei sind seine beiden Beifahrer Petra Beyerle und Eckhard Behm. Fahrer, Beifahrer und Helfer schlafen bei Fahrturnieren oft in ihren Transportern, aber alleine die Boxenmiete für die fünf Pferde eines Vierspänners kann sich für ein Turnierwochenende schon mal im vierstelligen Bereich bewegen. Anfahrtskosten und Verpflegung kommen natürlich noch dazu. Umso glücklicher sei der 27-Jährige über die Unterstützung durch den Talentpool.

Michael Brauchle arbeitet an zwei Tagen in der Woche als Schlossermeister, an den anderen Tagen begleitet er seinen Vater als Hufschmied. „Für das Training bleibt nur nach der Arbeit Zeit, manchmal trainiere ich abends noch fünf bis sechs Pferde, manchmal nur eins“, erklärt er. „Zu 90 Prozent arbeite ich an der Dressur, denn das ist die Grundlage auch für das Kegel- und Geländefahren. Das Geländetraining kommt dann nur ab und zu obendrauf“, erklärt er. Dabei fährt er nicht mehrere Hindernisse wie auf einem Turnier, sondern trainiert besonders schwierige Wege und Wendungen durch die Tore des Hindernisses, das bei ihm zu Hause steht. „Das ist nicht nur Training für die Pferde, sondern auch für mich und meinen Kopf, da ich vorausschauend denken und schnell lenken muss“, erklärt er.

Michi Brauchle stammt aus einer Fahrsport-Familie. Schon als Kind ist er auf der Kutsche mitgefahren. Sein Vater Franz ist mehrfacher Baden-Württembergischer Meister gewesen, auch seine Mutter Brigitte ist Fahrlehrerin und war als Beifahrerin bei vielen Turnieren dabei. Sein älterer Bruder Steffen fährt erfolgreich Pony-Vierspänner und ist amtierender Deutscher Meister und Vize-Weltmeister. Mit 18 Jahren überrascht Michael Brauchle die internationale Vierspänner-Szene als er beim CHIO in Aachen die Geländeprüfung gewinnt. Im gleichen Jahr fährt er seine ersten Weltmeisterschaften und holt mit der deutschen Mannschaft die Silbermedaille. Mittlerweile hat er mit seinen 27 Jahren an vier Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften teilgenommen und hat jedes Mal mit der Mannschaft eine Medaille gewonnen. Bei der EM 2015 in Aachen holte er sogar überraschend den Titel in der Einzelwertung. Bei den Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Riesenbeck gewann er die Bronzemedaille. Er gilt als Marathon-Spezialist, denn seine Stärke liegt besonders im Geländefahren.

Trotz viel Erfahrung gehört er nach wie vor zu den jüngeren Fahrern im Vierspännersport. „Michi hat bisher nie einen Sponsor gehabt, der ihm die besten und teuersten Pferde kaufen konnte. Dennoch hat er es immer geschafft, aus vier sehr unterschiedlichen Pferden ein Team zu machen, das weniger durch ein einheitliches Erscheinungsbild, als vielmehr durch Mut und Kampfgeist aufgefallen ist“, erklärt Karl-Heinz Geiger, Bundestrainer der Vierspänner. „Aktuell hat Michi einige sehr gute Nachwuchspferde im Aufbautraining, zum Beispiel die fünfjährige Stute Concetta mit überdurchschnittlichen Grundgangarten, so dass ich ihn auf einem sehr guten Weg sehe. Für die Zukunft erwarte ich eine deutliche Leistungssteigerung vor allem in der Dressur von ihm“, meint der Bundestrainer zur Perspektive von Michael Brauchle. „Wir sind sehr dankbar für das Engagement von Herrn Thumann und der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport, da wir im Fahrsport auf Unterstützung angewiesen sind und gerade Michi kann davon toll profitieren“, sagt Geiger. 

Zur Förderpatenschaft: 
Die Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport hat einen Talentpool eingerichtet, für den sich Athleten nach der Auswahl durch einen Bundestrainer bewerben dürfen. Ein Förderer kann anhand der Bewerbungsunterlagen selbst auswählen, welchen Athleten aus dem Talentpool er unterstützen möchte. Wenn sich Förderer und Athlet gefunden haben, gehen sie eine mindestens zweijährige Patenschaft ein. Die jungen Sportler werden nicht nur finanziell unterstützt, sondern profitieren auch von den pferdesportlichen Erfahrungen ihrer Förderpaten. Im Gegenzug können die Förderpaten an der sportlichen Entwicklung der Athleten teilhaben.

 

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